Kirchenmusikwoche 2026 in Disentis/Mustér

Am Montag 12.10. 2026 war es wieder soweit. Rund 70 Personen trafen sich im Benediktiner-Kloster in Disentis/Mustér, um miteinander eine Woche voller geistlicher Musik und Gesang zu erleben. Der Vorstand des Kirchenmusikverbandes des Bistums Chur hatte zur 11. Kirchenmusikwoche im Kloster Disentis zum Thema «Heilig, Highlights, Heiligmesse Haydn» eingeladen. Und die Woche wurde wirklich zu einem Highlight für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin.

Auf dem Programm dieser Woche standen allerlei Ateliers und Workshops, die uns die Freude an der Kirchenmusik nähergebracht haben. Als Rahmenprogramm und wohl auch als einer der Höhepunkte der Woche wurde die Heiligmesse von Haydn im Gesamtchor, unter der Leitung von Hansueli Bamert, geprobt und in der Abschlussmesse am Freitag in der Klosterkirche unter Mitwirkung von vier Solisten, eines kleinen Streichorchesters und der beiden Orgeln in der Klosterkirche integriert.

An den angebotenen Ateliers wurde uns die Kirchenmusik in verschiedener Weise nähergebracht.

  • Der Chor wurde von Hansueli Bamert geleitet. Der Dirigent aus Winterthur verstand es hervorragend, uns für den Chorgesang zu begeistern, sowohl im Gesamtchor, als auch im Atelier Chorsingen.
  • Der gregorianische Choral stand wiederum unter der Leitung von Professor David Eben. Der Prager Professor für Gregorianik verstand es hervorragend, die Teilnehmer der Scola an diese alte traditionelle Gesangskunst heranzuführen, was die Teilnehmer an der Mittagsfeier und auch an der Abschlussmesse bewiesen.
  • Ein weiteres Atelier nannte sich Hörpunkt Kirchenmusik. In Diesem Atelier wurde Musikgeschichte unter kundiger Leitung von Martin Hobi und Valérie Halter vermittelt. Quer durch den faszinierenden Reichtum der Geistlichen Musik wurden erlesene Oratorien, Messen mit besonderer Rücksicht auf das Thema «Heilig» / «Sanctus» und weiterer Gesänge beleuchtet.
  • Dirigenten und solche, die das Dirigieren üben wollten, wurden im Atelier Dirigieren unter der Leitung von Heinz Girschweiler unterrichtet. Der Funke ist auch da bei manchem Teilnehmer übergesprungen und hat Begeisterung hervorgerufen.
  • Nicht fehlen durfte die Königin der Kirchenmusik, die Orgel. Im Orgelatelier unter der Leitung von Matthias Wasmer und Dieter Hubov wurden mitgebrachte Musikstücke auf der grossen Orgel der Klosterkirche und auf der Orgel der Dorfkirche gespielt, an der Technik gefeilt und auch improvisiert. Sowohl Anfänger:innen wie auch langjährige Organist:innen vermittelten die beiden Referenten viel Wissen und Können, sowie sehr viel Freude an diesen wunderbaren Instrumenten.
  • Auch die Stimmbildung kam nicht zu kurz. Wer wollte, hatte sich zu diesem Atelier angemeldet. Dieses Stand unter der Leitung von Flurina Ruoss, Madeleine Merz und Davud Werner, die auch den Solopart der Heiligmesse von Haydn gesungen haben. In diesem Atelier wurde an Teilen der Messe gefeilt oder die Stimme für das Singen geübt und wertvolle Tipps für den Chorgesang vermittelt, ganz nach Wunsch der Teilnehmenden.

Natürlich war die Woche nicht nur von Arbeit an der Stimme, mit dem Taktstock oder an der Orgel geprägt. Wie es sich für eine Kirchenmusikwoche gehört, wurde auch das gemeinsame Gebet täglich angeboten. So war es allen frei zum Morgenlob der Mönche frühmorgens in der Klosterkirche und abends zum Abendgebet in der Kloster- oder Marienkirche dabei zu sein. Martin Conrad, ehemaliger Präses des KMV Bistum Chur, hat als geistlicher Leiter täglich zum gemeinsamen Morgenlob und Mittagsgebet eingeladen. Wunderbare Impulse von Martin Conrad, Lieder und Lesungen haben uns in diesen Gebetszeiten zur Ruhe und Besinnung zurückgeführt und uns für den weiteren Tagesablauf gestärkt.

Am Montagabend gab es drei sehr interessante Referate zum Wochenthema «Heilig-Highlights-Heiligmesse». Was hat es mit dem Wort «Heilig» in der Kirchenmusik und in der Liturgie auf sich? Dieser Vortragsabend war öffentlich und für alle interessierten zugänglich.

  • Pater Theo Theiler vom Kloster Disentis hat die theologischen und liturgischen Aspekte vom Wort «HEILIG» beleuchtet und anschaulich erklärt.
  • Valérie Halter, Vorstandsmitglied des KMV Bistum Chur, hat eine Wochenumfrage zum Thema initiiert und alle Teilnehmenden ermuntert, daran teilzunehmen.
  • Martin Hobi hat Haydns «Heiligmesse» als Herausforderung beleuchtet. Denn die Messe ist sowohl musikalisch als auch sprachlich-gesanglich eine Herausforderung.
  • Als besondere Gäste waren Marie-Elisabeth Hischier-Borter und Martin Völlinger als Referenten zu Gast. Sie stellten die Walliser Messe «häärzwärts» vor, die 2025 entstanden ist. Die sehr tiefen Texte stammen von der Walliserin Marie-Elisabeth Hirscher-Borter. Vertont hat die Messe Martin Völlinger. Die Referenten haben uns diese Messe ans Herz gelegt und auch Kostproben daraus gesungen.

Im Rahmen der Kirchenmusikwoche wurde das «Heilig/Heilung» aus der Walliser Messe «häärzwärts» ausgewählt, um das «Heilig» im Gesamtchor in der Abschlussmesse zu singen. Das war für (fast) alle eine sprachliche Herausforderung, die aber gerade durch diesen volksnahen und feinfühligen Text und der besonderen, gefühlsnahen Musik ein weiterer Höhepunkt für alle Sänger und Sängerinnen gewesen ist.

Neben den Fachateliers gab es auch Freiateliers, die von Tag zu Tag angeboten wurden und die jeder nach Lust und Laune belegen konnte.

  • Orgelimprovisation für alle mit Matthias Wamser und Dieter Hubov
  • Hören, singen, staunen mit Heinz Girschweiler
  • Gregorianischer Choral mit David Eden
  • Das neue rätoromanische ökumenische Gesangbuch «Clom» mit Jürg Wasescha und Pieder Jörg
  • Kreative Gottesdienst-Gestaltung mit Udo Zimmermann und Martin Conrad
  • Kreative Weiterverwendung von altem Notenmaterial (alte kaputte Gesangbücher, unbrauchbare Fotokopien etc.) mit Patricia Visini
  • Orgelführung in der Klosterkirche Disentis mit Bruder Stefan Keusch
  • Museumsführung mit Pater Theo Theiler

Neben allem, was sich um Kirchenmusik dreht und unsere volle Konzentration erforderte, wurden wir auch mit einem wunderbaren Orgelkonzertabend beglückt, der ebenfalls öffentlich ausgeschrieben war. Es war ein Abend für die Seelen der Zuhörenden.
Die Organisten Dieter Hubov und Matthias Wamser spielten auf den beiden Orgeln der Klosterkirche und die Schola unter der Leitung von David Eben liessen dazwischen gregorianische Gesänge erklingen. Es erklangen Stücke aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Komponisten, passend zum Wochenthema.

Natürlich kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz in dieser Musikwoche.
Immer zu den Mahlzeiten trafen sich die Teilnehmer im «weissen Saal». Da waren nicht nur die gute Klosterküche und die fleissigen und freundlichen Mitarbeiter des Klosters ein besonderes Highlight, auch die Begegnungen und die Gespräche unter den Teilnehmern und den Leitern waren eine wunderbare Bereicherung in diese Woche.
Wer wollte, ging nach dem Mittagessen etwas spazieren und genoss die schönen Herbsttage in Disentis und Umgebung, andere zogen sich lieber zurück in die schönen Zimmer des Klosters und des Caminada-Hauses, die wirklich auch zum Verweilen und Ausruhen einluden.

Am Donnerstagabend gab es den gemeinsamen bunten Abend im Peter Kaiser Saal. Die Klosterküche servierte uns ein wunderbares Nachtessen und danach wurde gefeiert, musiziert und viel gelacht. Die Anspannung aus den verschiedenen Ateliers war gewichen und hatte sich in einer bunten Fröhlichkeit gewandelt.

Der Höhepunkt der Woche folgte am Freitagmorgen nach der Generalprobe des Gesamtchores unter der Leitung von Hansueli Bamert. Pater Paul vom Kloster Disentis zelebrierte die Abschlussmesse, der Gesamtchor sang die Heiligmesse von Haydn in Begleitung der Solisten, des Orchesters und der beiden Organisten Dieter Hubov und Matthias Wamser. Auch die Schola unter der Leitung von David Eben sang wunderschöne gregorianische Gesänge und als kleines «Highlight» wurde das «Heilig/Heilung» aus der Walliser Messe musiziert. Leider war es in diesem Abschlussgottesdienst der letzte geistliche Impuls von Präses Martin Conrad, da er aus beruflichen Gründen nach Deutschland gezogen ist. So hiess es am Schluss Danke zu sagen und Abschied zu nehmen. Seine Nachfolgerin, Birgit Jeggle-Merz hat sich bereits anlässlich des Mittagsgebets am Dienstag vorgesellt und der Vorstand des KMV Bistum Chur hiess sie herzlich willkommen.

Mit grosser Dankbarkeit für die wunderschönen Tage in Disentis, mit neuen musikalischen Impulsen im Rucksack und viel Freude im Herzen reisten die Teilnehmer der Kirchenmusikwoche 2026 nach einem letzten feinen Mittagessen im Kloster Disentis wieder zurück in ihre Heimat. Diese Musikwoche klingt überall im Land weiter in den Herzen der Teilnehmer und wer weiss, vielleicht singt der eine oder die andere in nächster Zeit das «Heilu», das «Heilig/Heilung» aus der Walliser Messe in seinem Chor.

Adelheid Hohlwegler

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